Vereinsgeschichte

 

Bis in die siebziger Jahre waren die Eltern von behinderten Kindern auf sich allein gestellt, was der auslösende Moment für die Gründung des Vereins war.
38 Betroffene und Förderer gründeten im Oktober 1970 den Spastiker Verein Offenburg. Nach Eintragung in das Vereinsregister wurde der Verein vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. 

Der Gründungsvorsitzende Herr Hans Mußler und die Vorstandschaft machten es sich zur Aufgabe, alle körper- und mehrfachbehinderten Menschen im Kreisgebiet zu erfassen. Es wurden Aufgaben formuliert, wie eine aktive Öffentlichkeitsarbeit in Bezug auf die Angelegenheiten von Menschen mit Behinderung, sowie die Schaffung umfassender Hilfsangebote im ambulanten, teilstationären wie auch im vollstationären Bereich. Um diese Angebote zu verwirklichen, wurden Haus- und Straßensammlungen, Spendenaktionen und verschiedene Veranstaltungen durchgeführt.

Im Jahre 1973 wurde die „Mobile Krankengymnastik“ als erstes Dienstleistungsangebot in die Vereinsarbeit aufgenommen. Krankengymnasten wurden angestellt, mit vereinseigenen Fahrzeugen ausgestattet, um die behinderten Kinder und Jugendlichen zu Hause zu behandeln. Dadurch wurden den Eltern lange Anfahrtswege zu den niedergelassenen Praxen mit entsprechenden Erschwernissen erspart. 

1978 wurden vom Paul-Gerhard-Werk im Brünnlesweg in Offenburg Räume angemietet, eine Tagesstätte für schwerstmehrfach Behinderte eingerichtet und vom Verein in eigener Regie geführt. Auf Drängen des Landeswohlfahrtsverbandes musste die Tagesstätte zum 30.09.1979 aufgegeben werden. 
Allerdings wurden jetzt alle Kinder und Jugendliche in den Sonderschulkindergarten übernommen, was vorher nicht möglich war.
Um diese vereinseigene Tagesstätte weiter zu nutzen, wurden Wochenend- und Ferienfreizeiten angeboten. Dadurch erhielten Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder in die Obhut erfahrener Erzieherinnen zu geben, um von der alltäglichen Pflege entlastet zu werden oder mit ihren gesunden Kindern einmal unbeschwert Urlaub zu machen. 

1980, nach zehn Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit, gab Herr Mußler sein Amt als Vorsitzender und Geschäftsführer ab, war aber weiterhin im Vorstand tätig. Nachfolger wurde Herr Hans Göppert als Vorstand und Herr Konrad Ritter als Geschäftsführer.
Für seine außerordentlichen Verdienste erhielt Herr Mußler 1983 das Bundesverdienstkreuz.

Da der Bedarf an Freizeitangeboten zunahm, wurde 1981 das Freizeithaus in OG-Hildboltsweier erworben. Wegen verschiedener Einsprüche konnte aber erst 1982 mit dem behindertengerechten Umbau und 1983 mit der Nutzung begonnen werden.

Im Jahre 1985 wurde erstmals ein Zivildienstleistender (ZDL) eingesetzt. 

Die “Hippotherapie“ wird im Reitstahl Achern aufgenommen. Dazu wird ein Aufenthaltsraum angemietet und der Sanitärbereich behindertengerecht umgebaut. Zunächst werden zwei Pferde mit dem erforderlichen Sattel- und Saumzeug angeschafft. 1986 kommt wegen der großen Nachfrage ein drittes Pferd dazu. Hippotherapie ist Krankengymnastik mit und auf dem Pferd. Sie schult Gleichgewicht, Koordination, Symmetrie der Bewegungen und Reaktionsfähigkeit. Sie lockert Spastik, fördert Durchblutung, Herz-Kreislauftätigkeit und Atmung. Die veränderte Umgebung und Beziehung zu Pferden geben dem Patienten Impulse und Lebensfreude. Leider musste diese Dienstleistung als erste und bisher einzige 2002 aus finanziellen Gründen aufgegeben werden.

Ab 1986 werden weitere ZDler eingestellt, um alle Angebote durchführen zu können. Um allen Behinderten das Reiten zu ermöglichen, wird 1987 ein Behindertentransporter gekauft und der Fahrdienst für Rollstuhlfahrer in eigener Regie durchgeführt.
Dieser individuelle Fahrdienst ermöglicht den Behinderten auch die Teilnahme an Freizeitaktivitäten, Fahrten zu Ärzten, Ausflügen und Reisen usw., gemäß unserer Zielsetzung:

 

Viele Hilfen aus einer Hand“


01.03.1988, der Verein wird als Mobile Soziale Hilfsdienststelle (MSHD) durch das Bundesamt für Zivildienst anerkannt.
Da sich der Einzugsbereich des Spastiker-Vereins in den nördlichen Ortenaukreis verschoben hat – im südlichen Ortenaukreis bestand der Ortsverein Lahr – und der Aktionsradius für Zivildienstleistende auf 20 km begrenzt wurde, entschloss sich der Verein 1990 ein Service-Haus im Raum Achern zu errichten, mit folgenden Funktionen:
1. Betreutes Wohnen
2. Kurzzeitbetreuung
3. Einsatzzentrale und Wohnraum für Zivis

1992 konnte das Haus in Achern-Gamshurst eingeweiht werden.
Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte der Verein 120 ZDler und unterhielt 46 Fahrzeuge.

1995 wird ergänzend zu den bestehen ambulanten Angeboten ein „Mobiler Fach-Pflegedienst“ mit Krankenschwestern eingeführt. Damit wurde der ambulante Betreuungsdienst – bisher von Zivildienstleistenden alleine durchgeführt – mit Helfern ergänzt und fachlich zusätzlich qualifiziert. 

1996 wurde die Förder- und Betreuungsgruppe (FBG) – bisher in der Trägerschaft des Paul-Gerhard-Werkes – von uns übernommen. 

Im Oktober 1997 tritt Herr Göppert aus privaten Gründen zurück und Frau Köhne übernimmt bis November 1998 den Vorsitz.
Danach wird Herr Konrad Ritter als Vorsitzender von der Mitgliederversammlung gewählt. 

1999 hatte der Spastiker-Verein eine Größe erreicht, dass ein Übergang vom Ehren- zum Hauptamt nötig wurde, um Verwaltungs- und Entscheidungsprozesse zu optimieren. 
Ein hauptamtlicher Geschäftsführer, Herr Haas, wurde eingestellt. 
Der Vorstand bleibt weiterhin ehrenamtlich tätig. 

Ein für viele Mitglieder brennendes Problem, die „nachschulische Versorgung“ von Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung, konnte 2001, nach zehn mühevollen, mit viel Kraft und Engagement geführten Jahren gelöst werden:

Haus Damasina in Schutterwald wird eingeweiht.
Dort haben 20 junge Menschen, unter fachkundiger Begleitung ein dauerhaftes zu Hause gefunden. Sie können ihren täglichen Beschäftigungen, sei es in der Werkstatt der Lebenshilfe oder in der Förder- und Betreuungsgruppe im Haus nachgehen. Aus diesem Grunde wurde Herr Dürr als pädagogischer Leiter eingestellt. 

2004 wird als Ergänzung des bisher ausschließlich mobilen Angebotes, in Räumen des Hauses Damasina eine Praxis für Physiotherapie eröffnet. Mit dieser zukunftsgerichteten Erweiterung wird dem steigenden Bedarf an physiotherapeutischen Behandlungen Rechnung getragen.

Im Laufe der Jahre wurden auch Kooperationen mit den Vereinen „Betreutes Wohnen Schutterwald“ und - „Hohberg“, dem „Mukoviszidose-Landesverband“ und der „Frühberatung im Ortenaukreis“ eingegangen, um auch andere Partner an unseren Möglichkeiten teilhaben zu lassen. 
Außerdem wurde bei der Erstellung des Behindertenplanes für den Ortenaukreis mitgewirkt.

Ziel der Vereinsarbeit ist es, Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung eine möglichst eigenständige Lebensführung und Lebensgestaltung im Alltagsleben zu ermöglichen und behinderungsbedingte Nachteile abzumildern. Das Fundament dieser Arbeit bilden die bereits dargestellten Hilfsangebote, die persönliche und sozialhilferechtliche Beratung der Mitglieder und Dienstleistungsempfänger.

 

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